Prokrastination

Posted by michl on 06/05/2015 in motz

Ich wollte schon immer etwas über Prokrastination schreiben. Der Begriff ist ja zurzeit grad recht hipp in unserer Branche. Beim Volk hat er sich noch nicht durchgesetzt, wird er wohl auch nicht. Zuviele «r» drin. Leicht ist eines an der falschen Stelle gesetzt und man liest ganz was anderes. Doch es gibt Journalisten, die verwenden gerne, manchmal zu gerne, Fremdwörter, zuweilen und mit Vorliebe solche, über die bis dahin keiner geredet hat, bzw. geschrieben. Prokrastination ist so ein Wort. Und gleichzeitig ist es auch ein Leiden. Und ja, liebe Damen, nicht nur Männer leiden darunter!

Wenn Frauen unter Prokrastination leiden, v.a. verheiratete oder sonstwie lieerte Frauen, dann ist das verheerend. Wenn Männer, v.a. verheiratete oder sonstwie lieerte oder solche mit Führungsaufgaben, darunter leiden, dann ist das nicht allzu gravierend, denn sie haben ja Gattinnen oder Lebensabschnittspartnerinnen oder Sekretärinnen (manchmal ist alles dasselbe), die für sie sorgen. Bei Singlemännern ist es etwas diffiziler. Ich bin so einer, ich single und leide unter Prokrastination. Ich habe keine Stellvertretung, die meine Arbeit macht. Leider. Drum: Prokrastination ist ein Leiden. Jedenfalls seit der Begriff wieder in Mode gekommen ist. Früher, also nicht sehr viel früher, hat darunter wohl niemand so richtig gelitten, ganz einfach darum, weil man den Begriff nicht kannte. Wo kein Name dafür, da auch keine Krankheit. Jetzt aber besteht eine Chance auf medizinische Anerkennung (Siehe dazu auch meinen Blog «BED» über neu erfundene Krankheiten).

Nun mal ehrlich: So richtig leiden tut man unter Prokrastination nicht. Manchmal ist es sogar so, dass man sich viel Arbeit oder Ärger erspart, wenn man so richtig lustvoll prokrastiniert. Nur: man muss es bewusst machen! Also richtig leiden! Und man muss es allen erzählen! Natürlich nicht mit dem alles erklärenden Begriff dafür. Denn den versteht ja keiner. Wenn ich also mitten in der Woche mitten an einem Nachmittag mitten am Stammtisch sitze und mit drei pensionierten Landwirten einen Pandur jasse bis uns allen die Finger abfallen, dann sage ich nicht, sofern ich darauf angesprochen werde: «Ich prokrastiniere gerade!» («Ich jasse gerade» trifft die Wahrheit eben nur halbseitig, denn Jassen ist in diesem Fall Ersatzbeschäftigung, bzw. -befriedigung («Ich jasse gerade» wäre zwar ganz wahr, aber eine respektlose Antwort, weil sie den/die Fragende/n für doof hinstellt)).

Damit will ich nicht behaupten, dass Prokrastinieren der lateinische Begriff für Jassen ist. Vielmehr kann Prokrastinieren für viele Tätigkeiten stehen. Nur für eine nicht: Tun. Prokrastinieren heisst nämlich Aufschieben. Prokrastinieren ist das bare Gegenteil von Erledigen. Der Duden spricht von Verschleppung, Vertagung, Verzögerung, Retardation und Prorogation. Wiki nennt dazu den Begriff «Erledigungsblockade». Ganz viele üble Wörter also für ein gesellschaftlich (noch) nicht anerkanntes Leiden!. Prokrastination kommt vom lateinischen «procrastinatio» (Vertagung). «pro» steht für «für» und «cras» für «morgen». Prokrastination kann man also auch so erklären: Was du heute kannst besorgen, das verschieb' getrost auf morgen.

P.S.1: Es gibt jedoch Ausnahmen zu den oben erwähnten Vertretern meiner Branche. Der BLICK, bzw. die Leute dort, kennt, bzw. verwendet den Begriff Prokrastination nie. Das ist auch logisch. Denn Prokrastination ist geradezu die Entgegnung zu dem was der BLICK macht, nämlich Fakten wahr, die es noch gar nicht gibt (oder nie geben wird). Der BLICK schiebt die Dinge nicht auf. Er ist allermeistens schon da wenn etwas passiert. Ich erinnere mich an einen Spruch aus meiner Jugend: «BLICK war dabei: Eine Leiche kam um die Ecke und verreckte.»

P.S.2: Jetzt, wo ich diesen Blog schreibe, übrigens, prokrastiniere ich gerade lustvoll. Denn damit bleibt Anderes, eigentlich dringender zu Schreibendes, liegen. Und die Wäsche kann ich ja auch noch später aus dem Tumbler holen. Und Vuelo kann ja noch ein bisschen warten mit seiner Blasenentleerung. Und die Gewerbler mit ihrer Hauptversammlung können ja auch ohne mich anfangen. Und vielleicht gehe ich ja noch hurtig einen Pandur jassen?

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