{"id":2436,"date":"2014-04-09T13:31:38","date_gmt":"2014-04-09T10:31:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/?p=2436"},"modified":"2014-04-14T00:51:48","modified_gmt":"2014-04-13T21:51:48","slug":"nackte-manner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/?p=2436","title":{"rendered":"nackte horden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">sicher n\u00f6d. nein, florenz war nie die stadt meiner tr\u00e4ume. sie wird es auch nie sein. gut, die toscana ist immer f\u00fcr ein gutes essen gut, auch florenz hat diesbez\u00fcglich einiges zu bieten. das \u00abtre merli\u00bb in der via dei fossi zum bespiel (\u00abdrei Amseln\u00bb; \u00abmerlo\u00bb bezieht sich aber eher auf die typischen Zinnen vieler Geb\u00e4ude der Stadt, auch \u00abschwalbenschw\u00e4nze\u00bb genannt), das sich auf die typische florentiner k\u00fcche r\u00fcckbesinnt hat. es gibt dort \u00abtrippa alla fiorentina\u00bb, etwas das aus oder vom bauch kommen muss, denn als ich die cameriera gefragt habe, was es ist, hat sie lachend auf ihren bauch gedeutet. kutteln, denke ich, eigentlich liebe ich sie, aber reflexartig sagte ich \u00abo no!\u00bb, weshalb ich wohl ein abenteuer verpasst habe (hab\u2019 dann \u00abfritto dell\u2019aia\u00bb gegessen, in bierteig frittierte poulet-, kaninchenfleisch- und zucchettist\u00fcckchen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nun, essen ist aber auch alles, das sich in florenz lohnt. nebst einer horde junger nackter, in stein gemeisselter m\u00e4nner gibt es in florenz n\u00e4mlich auch horden von touristen. dabei ist der ausdruck \u00abhorden\u00bb bestimmt nicht \u00fcbertrieben (die tourismusbeh\u00f6rde florenz\u2019 wird mich steinigen), der begriff \u00abgruppen\u00bb reicht daf\u00fcr einfach nicht. sie kommen zu f\u00fcnfzigst oder mehr, streunen schnatternd durch die strassen, nur ein ziel vor sich: die n\u00e4chste kirche. zuvorderst geht immer eine oder einer mit einem offenen oder geschlossenen, jedenfalls immer bunten regenschirm. oder einem f\u00e4hnchen. dem oder der rennen sie dann nach oder bleiben unvermittelt stehen, ganz gleich, ob auf der strasse, vor dem fussg\u00e4ngerstreifen, oder auf pl\u00e4tzen, von denen es in florenz zu wenige gibt, deshalb wird es auch eng in den strassen der historischen altstadt (noch dazu hat es die zust\u00e4ndige beh\u00f6rde nicht geschafft, das zentrum wirklich verkehrsfrei zu bekommen (trotz prominentem ex-b\u00fcrgermeister und wer weiss vielleicht auch baldigem ex-premierminister), denn taxis und busse und polizei und anwohner und restaurateure und lieferanten und stadtfunktion\u00e4re, als0 alle, d\u00fcrfen trotzdem duch die fussg\u00e4ngerzone fahren).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und so wird ein stadtbummel zum horrortrip. touristen sind in der gruppe n\u00e4mlich blind. sie sehen nicht, dass auch noch andere, z.b. einzelg\u00e4ngertouristen, also ich, da sind, also bin. wenn der vorderste die menukarte bei der t\u00fcr eines restaurants studiert, stehen alle anderen bei, hinter oder neben ihm bei der t\u00fcre, so dass niemand sonst mehr reinkommt. steht das restaurant in einer engen gasse, kommt sonst niemand mehr durch die gasse. stehen zwei oder drei dieser horden (als 100 bis 150 leute) vor dem eingang einer der in der tat grossartigen kirchen und kathedralen florenz\u2019, kommt sonst neimand mehr rein, bzw. er\/sie steht hintenan, stundenlang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">so geschehen heute morgen. vorfall 1 (eigentlich noch innerhalb meiner toleranzschmerzgrenze): ich stehe recht fr\u00fch auf (07h20), weil ich gestern, dem tag der ankunft, festgestellt habe, dass das hotel ausgebucht ist, und ich nicht in den grossen rush zum fr\u00fchst\u00fcck geraten will. ausserdem hatte ich noch etwas vor\u00a0 (siehe vorfall 2). doch ich geriet in den grossen fr\u00fchst\u00fccks-rush. in mir nicht nachvollziehbarer weise hatte die gestern abend eingecheckte horde halbw\u00fcchsiger sch\u00fcler\/maturanden (irgendeine nordische sprache) genau das selbe im sinn. der fr\u00fchst\u00fccksraum ist fast voll, als ich frischgeduscht und ebenso frischen mutes in denselbem ankomme. die maturanden sind ausgesprochen ausgeschlafen, was nie in aller ruhe abgeht und vereinnahmen innert sekunden alle verf\u00fcgbaren kaffeetassen. auf einigen tischen stapelt sich ben\u00fctztes geschirr und halbvertilgte brotresten sowie der ganze \u00fcbliche abfall der zeitgen\u00f6ssischen fr\u00fchst\u00fcckauf- und zubereitung. fluchtartig verlasse ich den fr\u00fchst\u00fccksraum, packe meine siebensachen und checke aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vorfall 2 (nicht mehr innerhalb meiner toleranzschmerzgrenze): ich will zwecks pers\u00f6nlichem kulturupdate die weltber\u00fchmten uffizien besuchen, m\u00f6glichst gleich nachdem sie \u00f6ffnen (o8h15) \u2013 vergiss es. da stehen gef\u00fchlte 250 plappernde und schwatzende und ungeduldige hordenteilnehmende vor dem eingang und warten. sie warten weil sie nur kleingruppenweise eingelassen werden, damits drin vor der kasse nicht gleich den n\u00e4chsten stau gibt. drin wird erst mal jeder und jede gescannt und auf verdacht abgetastet (weil der scanner s\u00e4ureflaschen ev. nicht sieht). so wartet man, ich meine: w\u00fcrde man, ich wage nicht zu mutmassen, etliche minuten bis halbstunden warten, auch wenn man eine \u00abprenotazione\u00bb (im vorverkauf erstandenes ticket) h\u00e4tte. ich warte nicht einmal eine halbe minute, nachdem ich glaube, die lage erfasst zu haben und such\u2019 mir ein gem\u00fctliches eckcaf\u00e9 zwecks einnahme eines kaputscho.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">florenz ist keine individualreise wert. in tausenden von bussen werden jeden tag zehntausende von tourist\/innen (die meisten sind jugendlich, maturand\/innen, diplomand\/innen, student\/innen, aber es hat auch \u00e4ltere chines\/innen, koreaner\/innen, japaner\/innen oder norwegische\/schwedische\/d\u00e4nische familien und italienische liebespaare) angekarrt und auf das historische zentrum und die \u00abponte vecchio\u00bb (auf der es nichts anderes als schmuck von zweifelhafter qualit\u00e4t zu kaufen gibt) losgelassen. und die florentiner gesch\u00e4ftsleute (und die afrikanischen sonnenbrillenverk\u00e4ufer und die bettelnden zigeunerinnen) machen richtig kohle. auch die stadt verdient dabei nicht schlecht: mit der exorbitant hohen \u00abcity tax\u00bb von 2\u20ac \u2013 ohne gegenleistung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">denn jetzt muss ich erst mal packen. die ausgehschuhe noch, den kabelsalat f\u00fcr die ladeger\u00e4te und ein buch (\u00abthe spade man\u00bb &#8211; schauder schauder). und jetzt leg&#8216; ich mich vor den fernseher und g\u00f6nn&#8216; mir ein kleines qu\u00f6llfrisch. bio selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none; overflow: hidden; width: 90px; 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