{"id":446,"date":"2013-04-28T19:30:59","date_gmt":"2013-04-28T17:30:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/?p=446"},"modified":"2013-10-30T17:21:33","modified_gmt":"2013-10-30T15:21:33","slug":"446","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/?p=446","title":{"rendered":"schaumwein"},"content":{"rendered":"<p>\u00fcblicherweise, ja eigentlich fast \u00fcberhaupt gar nie, muss ich, im dienste der informationshungrigen \u00f6ffentlichkeit, f\u00fcr die drinks, die ich dabei, berufsbegleitend sozusagen, mir genehmige, etwas bezahlen. \u00fcblicherweise werden diese drinks vom gastgeber, veranstalter oder informant \u00fcbernommen. gelegentlich verursacht diese sch\u00f6ne gewohnheit (oder verpflichtung, f\u00fcr den gastgeber) neid bei dritten, also solchen, die den vorgang beobachten. gelegentlich wird von ebensolchen dritten unterstellt, dass die presse korrumpierbar sei, also als ob die zurverf\u00fcgungstellung eines drinks (manchmals auch einer schale pommes chips oder, eher selten, einer vollst\u00e4ndigen mahlzeit) allein schon ein akt der bestechung w\u00e4re. aber meistens mag man mir diese nette geste der gastfreundlichkeit (die, nicht immer, aber immer \u00f6fter, in der tat mit der erwartung einer \u00abwohlwollenden berichterstattung\u00bb gekoppelt ist) auch von unbeteiligter, dritter, seite g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>dabei ist dieses ritual nicht immer nur ein vergn\u00fcgen. unl\u00e4ngst ist mir das bewusst geworden. in einem kleintheater, von dessen vorstellungen ich ab und an berichte, wird mir, einer eingespielten gewohnheit folgend, stets ein glas eines els\u00e4ssischen schaumweines \u00fcberreicht. das problem dabei ist, dass die veranstaltungen dieses veranstalter&#8217;s nur alle paar wochen stattfinden, was bedeutet, dass der vorrat an schaumwein nicht \u00fcbertrieben schnell aufgebraucht wird. zudem trinken jeweils nur wenige bis gar keine, ausser eben mir, besuchende der veranstaltungen diesen schaumwein. was schliesslich bedeutet, dass es vorkommen kann, bzw. meistens vorkommt, dass die flasche, weil noch nicht leer, halb leer in den k\u00fchlschrank zur\u00fcckgestellt wird.<\/p>\n<p>man kann sich vorstellen, wie schaumwein, der einen monat in einer halbleeren, ge\u00f6ffneten flasche im k\u00fchlschrank verbracht hat, schmeckt. selbstredend enthalte ich mich jeweils abwertender bemerkungen, trinke das glas mit dem lauen schaumwein leer, m\u00f6glichst speditiv, und reiche es zum nachf\u00fcllen hin. wenn ich gl\u00fcck habe, hat jemand anders zwischenzeitlich die chance zum zweifelhaften vergn\u00fcgen erhalten, die angebrauchte flasche leer machen zu d\u00fcrfen, wenn ich wenig bis kein gl\u00fcck habe, bin ich selbst derselbige. manchmal also komme ich erst beim dritten glas zu einem frisch ge\u00f6ffneten schaumweinvergn\u00fcgen. weil dann aber schluss sein muss mit dem kostenlosen saufen, weil schaumwein richtig einf\u00e4hrt und ich noch heimfahren muss. keinen gedanken verschwende ich vorl\u00e4ufig an die tatsache, dass ebendiese eben erst ge\u00f6ffnete flasche f\u00fcr ein paar wochen im k\u00fchlschrank verschwindet. was bedeutet, dass ich bei meinem n\u00e4chsten besuch im dienste der informationshungrigen \u00f6ffentlichkeit in diesem kleintheater wieder zuerst die angebrochene flasche lauen schaumwein&#8217;s verdr\u00fccken muss, bis ich zu einem glas frischen komme.<\/p>\n<p>in diesem zusammenhang erinner ich mich an meine mir angeeigneten gewohnheiten bez\u00fcglich der fl\u00fcssigversorgung im dienste der informationshungrigen \u00f6ffentlichkeit. in einem kellertheater, zum beispiel, wird mir stets ein glas wunderbaren rotwein&#8217;s, das ich, aufgrund des umstand&#8217;s, dass ich immer etwas knapp dran bin, nicht leertrinken kann und demzufolge in meiner hand halte w\u00e4hrend der ersten minuten der vorstellung oder unter meine sitzgelegenheit stelle (wobei es dort, trotz etwas ungest\u00fcme vuelo, begleithund im dienste der informationshungrigen \u00f6ffentlichkeit, noch nie umgefallen ist, bzw. umgestossen wurde), gereicht. bei wieder einem anderen kleinkunstveranstalter gibt&#8217;s jeweils ein glas wirklich guten, unlauen prosecco&#8217;s, bei einem weiteren krudes kaltes bier in der flasche. ja eigentlich wird mir bei den meisten veranstaltern ein krudes kaltes bier in der flasche (bzw. im fl\u00e4schchen) \u00fcberreicht. vielleicht sei da noch angef\u00fcgt, dass es, selten, auch weisswein im angebot gibt. dessen bediene ich mich aber nie, denn noch schlimmer als lauer schaumwein schmeckt schlechter weisswein (in der tat sind die weissweine an den ap\u00e9ro-bar&#8217;s der kleinkunstveranstalter \u00fcblicherweise produkte zuf\u00e4lliger auswahl und eigentlich nicht wirklich geniessbar).<\/p>\n<p>in einem weiteren anderen kleintheater wird mir stets ein t\u00e4sschen espresso gereicht (in der pause, so es denn eine gibt, folgt dann ein g\u00e4schen prosecco). stets, weil \u00fcblich, mit einem dieser hochhomogenisierten rahmportionenkapsel. espresso mit rahm, schon die vorstellung weckt bilder grausamsten inhalt&#8217;s. doch die konsumgewohnheiten schweizerischer hinterw\u00e4ldlerInnen, bzw. die servicegewohnheiten der hiesigen gastronomie, sind eine andere baustelle, auf die ich vielleicht mal gelegentlich detaillierter eingehen werde.<\/p>\n<p>in einem club, wo vorwiegend junge leute verkehren, wird mir stets, d.h. nach dem entsprechenden auffordernd-fragenden blick nach art und menge der gw\u00fcnschten konsumation, den ich \u00fcblicherweise wegen des umgebungsl\u00e4rm&#8217;s, schreiend beantworte, ein kleines bier gereicht. dieses ist \u00fcblicherweise viel zu kalt und ohne schaum, weil in plastikbechern verabreicht. die aufforderung zur bezahlung weise ich jeweils mit einer netten bemerkung zum grund meines besuch&#8217;s von mir (diese aufforderung ist eine folge der rotation, ev. fluktuation, aufgrund derer die information, dass gewissen leuten, die sich im dienste der informationshungrigen \u00f6ffentlichkeit in der location, bzw. an der bar, aufhalten, die gew\u00fcnschte menge an fl\u00fcssigkeiten kostenlos zur verf\u00fcgung zu stellen sei, verloren geht, des personal&#8217;s zur\u00fcckzuf\u00fchren). wenn ich gute laune habe, lasse ich dann den leeren becher einfach auf der theke stehen. wenn ich schlechte laune habe, bestelle ich m\u00f6glichst viele biere und verschenke dann die becher an mir als mittellos erscheinende jugendliche (derer es nicht wirklich viel gibt in diesen zeiten), die dann ebendiesen f\u00fcr einen zweifr\u00e4nkler an der bar eintauschen.<\/p>\n<p>mich als gutmensch f\u00fchlender fahre ich dann jeweils lange vor dem ende der veranstaltung nach hause. nicht ohne mir vorher einen freund des fisherman&#8217;s eingeworfen zu haben. als pr\u00e4ventivmassnahme gegen trinkerfahne.<\/p>\n<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><script type=\"text\/javascript\">\/\/ <![CDATA[\n(function(d, s, id) {\n  var js, fjs = 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