{"id":4514,"date":"2021-03-13T15:37:00","date_gmt":"2021-03-13T14:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/?p=4514"},"modified":"2021-04-23T15:39:31","modified_gmt":"2021-04-23T13:39:31","slug":"imago-dei-copy-paste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/?p=4514","title":{"rendered":"Imago Dei &#8211; copy &#038; paste"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Sch\u00f6n w\u00e4rs! Gott gab sich alle M\u00fche, aber an dieser Aufgabe scheiterte er kl\u00e4glich. Oder behauptet da wirklich jemand, wir seien wie Gott?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>MICHAEL HUG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00abUnd Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.\u00bb So steht es geschrieben im 1. Mose 1,27. Im 1. Korinther 11,7 wird die Sache etwas relativiert: \u00abDer Mann soll sich das Haar nicht kunstvoll zurechtmachen, da er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist Abglanz des Mannes.\u00bb Korintherinnen h\u00e4tten wahrscheinlich eine etwas differenziertere Formulierung gew\u00e4hlt, es begab sich aber zu jener Zeit, dass Frauen nicht an der Bibel mitschreiben durften. Die anmassendste aller Anmassungen, n\u00e4mlich im Buch der B\u00fccher zu behaupten, dass Gott (der liebe) den Menschen, also sowohl die ersten beiden wie alle folgenden, nach seinem Ebenbild geschaffen hat, ist eines Machos Werk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>All das ist Gottes Werk?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Der Mann (Mensch) ist Gottes Abbild. Aber hallo! Der Mensch hat den Krieg erfunden. Den B\u00f6rsenhandel. Den Lockdown. Alles Schlechte dieser Welt. Und all dies ist Gottes Abbild Werk. Die Welt der Gotteskopien ist eine Grossbaustelle unter j\u00e4mmerlichem Management. Lasset uns klar sehen: Wenn Gott gewollt h\u00e4tte, dass es so herauskommt, h\u00e4tte er bestimmt gar nicht erst damit begonnen, zwei sich selbst reproduzierf\u00e4hige Menschen gem\u00e4ss seiner Vorlage zu bauen. Dann h\u00e4tte er es sein lassen und sich schon am sechsten Tag ausgeruht. Das einzig Gute daran ist, dass der evolutionierte Mensch immerhin gelernt hat, dass man am Samstag besser nicht arbeitet, es kommt ja eh nichts gescheites dabei raus. Stattdessen ruht man sich zwei Tage aus statt nur einen und konzentriert sich w\u00e4hrend der ersten f\u00fcnf auf gute Taten. So guts halt geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Vermenschlichte Abk\u00f6mmlinge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Ganz anders lief es in sp\u00e4teren Kulturen ab. Bzw. fr\u00fcheren Kulturen, die Kultur, die sich die Anmassung, zu wissen, wie der Mensch entstand und das \u00abimago dei\u00bb erschaffte, leistete, war das Christentum, und das ist, gemessen an den Aeonen der Weltgeschichte, eine recht sp\u00e4t auf dem Tableau erschienene Kultur. Jedenfalls waren die alten Griechen wie auch die alten R\u00f6mer mit Gottesbildern fr\u00fcher dran. Sie schufen gleich eine ganze Sammlung von G\u00f6ttern und vermenschlichten Abk\u00f6mmlingen. Auch die alten \u00c4gypter fr\u00f6nten dem Glauben, dass der Mensch, nicht alle, aber ein paar K\u00f6nige (Pharaonen) immerhin, nach Gottes Ebenbild geschaffen, wenn nicht gar von ihm, also ihr, geboren wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Demut ad\u00e4quater als Anmassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Auch die Kelten und Pikten, Wikinger und Inkas, Hindus und die sogenannten Heiden Afrikas, Apachen und Komantschen erdachten sich einen oder mehrere Gotts oder G\u00f6tter. Aber allen kam nicht einmal im Schlaf in den Sinn, sich als Abbilder ebendieser zu bezeichnen. Denn wer Vulkane spucken, Meere sich erheben oder die Sonne auf- und untergehen lassen kann, ist viel gr\u00f6sser und m\u00e4chtiger als der Mensch &#8211; er (oder sie) ist allm\u00e4chtig. Das sind Menschen ganz bestimmt nicht. Ad\u00e4quater als Anmassung erschien diesen Kulturen Demut: wir sind Untertanen unserer G\u00f6tter und sie bestimmen jederzeit unser Schicksal. Sie lassen uns leben und\/oder sterben, sie schicken uns sch\u00f6ne Frauen und fette Wildsauen und schenken uns ein Haus oder \u00fcberziehen unser Land mit Seuchen. Da gibt es eigentlich nur eine Massnahme: gehorchen, Schutzmasken tragen und gegebenenfalls beten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Gott muss ziemlich dumm gewesen sein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Doch wir glauben an das imago dei, Gottes Ebenbild. Gott hat sich vermenschlicht in uns, also sind wir wie er. In der Folge hielt sich das erste denkende Wesen f\u00fcr etwas Besseres, f\u00fcr ein g\u00f6ttliches Wesen, ausgestattet mit allem, womit Gott auch ausgestattet ist, ausser Unsichtbarkeit. Daraus folgt, dass Gott (der liebe) ziemlich dumm gewesen sein muss. Dumm, intrigant, aggressiv, egoistisch und kritikresistent. Und gierig, siehe Eva. Dann ging es weiter mit copy &amp; paste: die ersten beiden Menschen taten, was Gott tat, n\u00e4mlich sich ihre Ebenbilder schaffen. Das lief aber schon nach zwei Versuchen so richtig aus dem Ruder. Was nach dem Totschlag des Zweitgeborenen der ersten Eltern geschah, hat die fr\u00fchmenschliche Forensik nie herausgefunden. Wahrscheinlich eben genau aus dem Grund, weil es danach nicht mehr weiterging. Wie h\u00e4tte sich ein einziger Sohn denn reproduzieren k\u00f6nnen? Hat er etwa die Mutter\u2026..? Uidu, sowas darf man gar nicht denken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Denken ist nicht des Menschen St\u00e4rke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Denken. Nicht des Menschen St\u00e4rke. Wunschdenken dagegen schon. Imago dei, das ist Wunschdenken. Sch\u00f6n w\u00e4rs, denkt der Mensch, solange, bis er (oder sie) glaubt, es sei wahr. Gott hat uns nach seinem Ebenbild erschaffen. Ich bin also Gott. Na gut, nicht gleich Gott, aber wie Gott (diesbez\u00fcglich bin ich, der Autor, diesem Zustand schon ziemlich nahe; der Name Michael bedeutet n\u00e4mlich \u00abwer ist wie Gott?\u00bb). Es w\u00e4re sch\u00f6n und zudem gut, wenn wir alle w\u00e4ren wie Gott. Vorausgesetzt dass Gott ein lieber ist. Wenn n\u00e4mlich nicht, w\u00fcrden wir nicht sein wollen wie Gott sondern zweitbestenfalls so, wie wir gerade sind. Andere Alternativen gibt es nicht. Gibt es nicht? Wir k\u00f6nnten versuchen, besser zu sein als Gott. Aber nein, wir f\u00fchren weiter Kriege, wir beuten aus, wir heizen zuviel, zeigen am Wochenende unsere Autos und haben darob noch st\u00e4ndig Angst, dass wir von einem Virus oder\/und dem Sensenmann heimgeholt werden. Das ist sicher nicht das, was Gott getan h\u00e4tte, h\u00e4tte er \u00fcberhaupt jemals etwas getan. Denn die Frage bleibt: Hat er uns wirklich nach seinem Ebenbild erschaffen und wenn ja, warum?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Erschienen am 1.04.2021 im Nebelspalter<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Sch\u00f6n w\u00e4rs! Gott gab sich alle M\u00fche, aber an dieser Aufgabe scheiterte er kl\u00e4glich. Oder behauptet da wirklich jemand, wir seien wie Gott? 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