{"id":1193,"date":"2017-06-01T17:21:51","date_gmt":"2017-06-01T15:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/?p=1193"},"modified":"2017-06-01T17:25:54","modified_gmt":"2017-06-01T15:25:54","slug":"der-e-klau-montenegros","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/2017\/06\/01\/der-e-klau-montenegros\/","title":{"rendered":"Der \u20ac-Klau Montenegros"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">PODGORICA 31\/05\/17. Nach dem Irrflug \u00fcber Podgorica bin ich nun wieder auf dem Boden angekommen und ich stelle fest, dass ich alt werde oder der Routine verfallen bin oder beides. Steh&#8216; ich also da vor dem Passkontrolleglash\u00e4uschen und habe meinen Reisepass vergessen. Toll, aber: in den wirklich wichtigen Dingen im Leben ist der kluge alte Mann abgesichert und hat darum stets die ID im Portmonnee. N\u00e4chstes Problem: Geld. Ich habe voll verschwitzt, mich vorab nach der W\u00e4hrung von Montenegro zu erkundigen. Daf\u00fcr habe ich jetzt keine schnelle L\u00f6sung. Mit den paar \u20ac-M\u00fcnzen im Hosensack werde ich das Taxi in die Stadt nicht bezahlen k\u00f6nnen. Also ran an die Cash-Maschine. Hats im Flughafen, man muss sie allerdings bitzli suchen. Doch da gibt es ausser Euro nichts zu beziehen. Also beziehe ich Euro. Draussen am Taxistand frage ich den Fahrer vor dem Einsteigen, ob er Euro akzeptiere. Er sagt ja. Auf meine Frage, welche W\u00e4hrung hier \u00fcblich sei, sagt er: \u00abMontenegro hat kein eigenes Geld, wir haben Euro.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Montenegro hat keine eigene W\u00e4hrung. Als Jugoslawien 1992 zerfiel, entschloss sich die montenegrinische Bev\u00f6lkerung, zusammen mit Serbien als Rumpf-Jugoslawien weiterzumachen. Es behielt damit auch den bis dahin g\u00fcltigen Dinar als Landesw\u00e4hrung. Doch der Dinar verlor rasant an Wert, worauf man in Montenegro begann, seine Gesch\u00e4fte in D-Mark abzuwickeln. Damit \u00fcbernahm der Staat de fakto die deutsche W\u00e4hrung als seine Leitw\u00e4hrung (ab 2000 auch de jure) und alles war ok. Als 2002 in der EU der \u20ac eingef\u00fchrt wurde, h\u00e4ngte sich auch Montenegro an die neue W\u00e4hrung, bzw. musste sich anh\u00e4ngen, ansonsten es den Dinar wieder einf\u00fchren oder eine eigene W\u00e4hrung h\u00e4tte schaffen m\u00fcssen. 2006 wurde Montenegro unabh\u00e4ngig, womit sich das Problem Dinar von selbst l\u00f6ste. Doch das kleine Land (625&#8217;000 Einwohnende) zeigte keine Lust, sich eine eigene W\u00e4hrung zuzulegen. Es lief ja gut mit dem Euro (alle anderen Staaten Ex-Jugoslawiens (ausser Kosovo) schufen eigene W\u00e4hrungen, koppelten allerdings diese an den Euro, wie z.B. Bosnien und Herzegowina) &#8211; zumindest in Montenegro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der EU passte das nat\u00fcrlich nicht. Wenn sich ein EU-Land in die W\u00e4hrungsunion einklinkt, muss es bestimmte Regeln befolgen (Staatsdefizit, Steuern, etc.). Es gibt auch Nicht-EU-L\u00e4nder (Monaco, Andorra, San Marino, der Vatikan und Kosovo), die den Euro haben, doch diese haben sich den Regeln verpflichtet. Montenegro hat keine diesbez\u00fcglichen Vertr\u00e4ge mit der EU, aber dem Land den Gebrauch des Euro zu verbieten, will die EU auch nicht, oder kann nicht, weil der \u20ac ja nicht die offizielle Landesw\u00e4hrung ist (faktisch ist er es durch das Fehlen ebendieser Landesw\u00e4hrung dennoch). Ausserdem ist Montenegro seit Ende 2010 Beitrittskandidat. Da hat auch die EU eingesehen, dass es keinen Sinn macht, dem Land eine eigene W\u00e4hrung vorzuschreiben, die sie dann bald nach dem Beitritt wieder aufgeben w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u20ac-M\u00fcnzen und -Noten darf Montenegro nicht herstellen und es hat keinen Einfluss auf die Geldmenge (und damit der Inflation). Das ist dem Land und seinen Leuten wohl egal. Sie f\u00fchlen sich mit dem Euro der EU einen Schritt n\u00e4her. Ausserdem erleichtert der Euro ausl\u00e4ndische Investitionen und das ganze Geld der Gastarbeiter in der EU kommt auch in \u20ac auf die montenegrinischen Konten. Einzig negative Auswirkung ist, v.a. f\u00fcr uns Touristen, dass die Preise vom europ\u00e4ischen Niveau nicht mehr allzu weit entfernt sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1217\" aria-describedby=\"caption-attachment-1217\" style=\"width: 920px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1217\" src=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/grippedbag_GIZ-Banner-Montenegro-2_blog.jpg\" alt=\"Montenegro\" width=\"920\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/grippedbag_GIZ-Banner-Montenegro-2_blog.jpg 920w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/grippedbag_GIZ-Banner-Montenegro-2_blog-300x104.jpg 300w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/grippedbag_GIZ-Banner-Montenegro-2_blog-600x209.jpg 600w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/grippedbag_GIZ-Banner-Montenegro-2_blog-768x267.jpg 768w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/grippedbag_GIZ-Banner-Montenegro-2_blog-100x35.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1217\" class=\"wp-caption-text\">Montenegro &#8211; kleines Land an der Adria<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PODGORICA 31\/05\/17. 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