{"id":1878,"date":"2018-02-08T11:21:48","date_gmt":"2018-02-08T10:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/?p=1878"},"modified":"2018-02-08T11:31:42","modified_gmt":"2018-02-08T10:31:42","slug":"auf-dem-hohen-damm-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/2018\/02\/08\/auf-dem-hohen-damm-2\/","title":{"rendered":"Auf dem hohen Damm 2"},"content":{"rendered":"<h2>Auf dem hohen Damm wartet ein Schiff namens Sinai &#8211; Ich lasse mir meine Koffer tragen und zuviel Geld aufschwatzen &#8211; Die letzte Schritte in \u00c4gypten sind ein Spiessrutenlaufen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">ASSUAN HIGH DAM &#8211; Drei Stunden braucht der Zug von Luxor nach Assuan, der s\u00fcdlichsten Stadt von \u00c4gypten. Von der Stadt sehe ich nichts, da ich ziemlich schnell in ein Taxi steige. Die Fahrer sind dermassen aufdringlich, dass sie einen schon fast aus dem Zug herausholen. Schnell muss es gehen, weil das Schiff in den Sudan um 12 Uhr mittags f\u00e4hrt, jedenfalls offiziell, und der Zug, sehr p\u00fcnktlich \u00fcbrigens, um 11h15 ankommt. \u00abHigh Dam, how much?\u00bb frage ich den Taxifahrer, der mein Gep\u00e4ck behende ins Auto packt. \u00ab300 Pounds!\u00bb meint er, worauf ich meine: \u00ab200!\u00bb, worauf er dann meint: \u00abOk, 250!\u00bb und ich: \u00abOk, 250!\u00bb erwidere. 13 Franken f\u00fcr 17 Kilometer, ich meine, das ist fair.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00ab<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wissen\/geschichte\/2010-01\/assuan-staudamm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">High Dam<\/a>\u00bb ist der h\u00f6here der beiden Nild\u00e4mme in Assuan. Der niedrigere liegt n\u00e4her bei Assuan und ist bereits mehr als 100 Jahre alt. Wenn man vom Assuan-Staudamm spricht, meint man den grossen Damm, eben den High Dam. Den, den die Russen gebaut haben, der der 1970 in Betrieb ging. Oben auf dem Damm angekommen (linke Seite), bleibt mir wieder nicht viel Zeit, die Sache zu betrachten. Schon st\u00fcrmt eine Horde Hilfswilliger auf mich zu, sie reissen mir mein Gep\u00e4ck aus den H\u00e4nden, zeigen und fuchteln mit den H\u00e4nden auf den Ticketschalter. Wie das so ist in \u00c4gypten, muss man in solchen Situationen vieles gleichzeitig tun: Sich seinen Weg durch die Leute bahnen, dabei alle sieben Sachen beieinander behalten, hilfswillige Schlepper und Nepper erst mal abweisen, sein Ziel erkennen und ansteuern und klaren Kopf bewahren. Und m\u00f6glichst nicht so tun, als h\u00e4tte man keine Ahnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tickets f\u00fcr das Schiff werden in einem Container verkauft. Ich werde hineingebeten, nehme Platz auf einem Stuhl, einer schreibt Daten aus meinem Pass, ein anderer schreibt ein Ticket aus. Gleichzeitig redet ein Geldwechsler, \u00e4lterer Herr im Kaftan und Turban, auf mich ein, bietet mir US-Dollars an. Ob ich ein Sudan-Visum habe, will der Passkontrolleur wissen, 100 $ reichen bei weitem nicht, meint der Geldh\u00e4ndler, 425 Pfund (\u00e4gyptische) kostet das Ticket (erste Klasse), man m\u00fcsse alle Hotels in Cash bezahlen, meint der Wechsler, ich kaufe 3&#8217;800 Pfund (sudanesische) f\u00fcr 200 US$, ich habe nun vier W\u00e4hrungen in meinen Hosentaschen, wobei das B\u00fcndel der 50- und 2- Sudan-Pfund-Scheine ziemlich auftr\u00e4gt in meiner linken Ges\u00e4sstasche, und drei W\u00e4hrungsumrechnungskurse im Kopf, werde darum beinahe kurzfristig wahnsinnig und muss auch noch den Alten, der meinen Koffer umklammert h\u00e4lt, und den Jungen, der ihn assistiert und unbedingt meine Kameratasche tragen will, im Auge behalten. Ich erhalte meinen Pass zur\u00fcck und ausserdem ein Ticket sowie einen Kabinenreservationsschein und einen Verpflegungsbon, wobei ich s\u00e4mtliche Angaben auf ebendiesen nicht lesen kann, da arabisch (es wird mir dann aber sp\u00e4ter auf dem Schiff von einem liebensw\u00fcrdigen Herrn, der kein Geld daf\u00fcr will, erkl\u00e4rt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kommt es, dass ich von diesem Hohen Damm auch nichts zu sehen bekomme, ausser der Rampe, die zum F\u00e4hrhafen hinunter f\u00fchrt. Um auf die Rampe zu kommen, muss ich erst durch das Hafentor, wo einer Pass und Ticket kontrolliert. Gleich dahinter steht noch ein Container, wo man wiederum das Ticket anschaut und ich 50 Pfund (\u00e4gyptische) abdr\u00fccken muss, weiss der Teufel f\u00fcr was. Daf\u00fcr erhalte ich einen Stempel auf das Ticket gedr\u00fcckt, und weiter geht der Spiessrutenlauf zum Schiff. Mein Tr\u00e4ger, der meinen Koffer tr\u00e4gt, und mein Schlepper, der offensichtlich total bekifft ist (ob Kat oder Shit ist nicht zu erkennen) und nichts tut ausser dass er auf mich einredet, das \u00dcbliche halt, woher, wohin, zum ersten Mal in \u00c4gypten, usw., begleiten mich zum n\u00e4chsten Geb\u00e4ude, wo mein Gep\u00e4ck auseinandergenommen wird und ich auf wasweissich untersucht und gescannt werde. Gleich danach verkaufen zwei Knaben Ausreisekarten f\u00fcr 1 Pfund (immer noch \u00e4gyptische), was eigentlich absurd ist, denn solche Karten kosten kosten \u00fcblicherweise nichts, aber ich sehe grad keine M\u00f6glichkeit, anders an die Karte heranzukommen. Also, schnappt euch das Pfund und habt Gefallen daran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sofort f\u00fclle ich die Karte aus denn es folgt die Passkontrolle. Wenn ich nun denke, dass meine beiden Sekundanten hier nicht weiter d\u00fcrfen, irre ich mich. Die Beiden schleppen mich weiter zur Gangway, wo wiederum Pass und Ticket kontrolliert werden. Ich bin nun also auf dem Schiff. \u00abSinai\u00bb heisst es. 12h30, von mir aus k\u00f6nnte es nun ablegen (es tut es rund 2 1\/2 Stunden sp\u00e4ter). Meine Schlepper wissen genau wo meine Kabine ist, eine Zweierkabine, ein Rattenloch, hoffentlich kommt keine Zweiter, gleich am Anfang des Korridors, wird wohl eine unruhige Nacht. Pl\u00e4tzlich stehe ich mit diesem beiden Herren, dem Alten, eher sprachlosen (weil des Englischen nicht m\u00e4chtig), und dem Jungen, dem bekifften, der eher zuviel spricht, und die T\u00fcre ist zu. Hohle H\u00e4nde vor mir. Ich gebe alle meine kleinen Pfundscheine her (18 Pfund\/1 Fr.) und meine, das reicht. Zuwenig, sagt der pl\u00f6tzlich sehr eifrige Bekiffte, ich lege noch eine 1$-Note dazu und meine: \u00abThat must be enough, this is two Dollars, one for each, share it and now go!\u00bb Nat\u00fcrlich will der Junge noch nicht gehen, dabei ist er der, der fast gar nicht beigtragen zu diesem Check-In-Vorgang ausser viel Gelaber, und der Alte sagt immer noch nichts. Ich schmeisse beide aus meiner Kabine.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1883\" aria-describedby=\"caption-attachment-1883\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1883\" src=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"418\" srcset=\"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web.jpg 1600w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web-300x157.jpg 300w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web-600x314.jpg 600w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web-768x402.jpg 768w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1070147_nile_assuan_moneypacks_web-100x52.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1883\" class=\"wp-caption-text\">B\u00fcndelweise Geld &#8211; drei W\u00e4hrungen im Hosensack<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem hohen Damm wartet ein Schiff namens Sinai &#8211; Ich lasse mir meine Koffer tragen und zuviel Geld aufschwatzen &#8211; Die letzte Schritte in \u00c4gypten sind ein Spiessrutenlaufen ASSUAN HIGH DAM &#8211; Drei Stunden braucht der Zug von Luxor nach Assuan, der s\u00fcdlichsten Stadt von \u00c4gypten. 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