{"id":1921,"date":"2018-02-14T14:13:04","date_gmt":"2018-02-14T13:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/?p=1921"},"modified":"2018-02-14T14:53:59","modified_gmt":"2018-02-14T13:53:59","slug":"wadi-halfa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/2018\/02\/14\/wadi-halfa\/","title":{"rendered":"Wadi Halfa"},"content":{"rendered":"<h2>Es gibt einiges zu tun im neuen Land &#8211; Hotelsuche, Registration bei der Polizei, SIM-Karte auftreiben, Kamelfleisch testen, Bus reservieren und duschen mit kaltem Wasser &#8211; Bloss weg aus Wadi Halfa!<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">WADI HALFA &#8211; Wahrscheinlich bin ich gerade der, der den ganzen Minibus vom Hafen ins St\u00e4dtchen finanziert. 50 Pfund habe ich dem Chauffeur gegeben, bei allen meinen Mitfahrenden sehe ich kein Geld die H\u00e4nde wechseln. Und es sind viele Mitfahrende, der Bus wird gerammelt voll und der Gep\u00e4cktr\u00e4ger auf dem Dach bricht schier zusammen unter seiner Last. Der Bus, ja eigentlich ist es ja ein Minibus (Toyota Hiace) bringt uns nach Wadi Halfa. das n\u00f6rdlichst gelegene St\u00e4dtchen im Sudan, idyllisch am oberen, also s\u00fcdlichen Ende des Nassersee gelegen. Die verbleibende Zeit an diesem Montagnachmittag verbringe ich mit Unabdingbarem: Ein Hotel finden, den Polizeiposten aufsuchen zwecks Registrierung (man muss sich als Tourist innert drei Tagen im Land registrieren lassen, auch wenn man nur zwei Tage bleibt), eine Daten-SIM-Karte kaufen (es gibt hier nicht mehr an jeder Ecke WiFi), ein Busticket erstehen. Tats\u00e4chlich erweist es sich, dass man f\u00fcr diese vier Obliegenheiten einen ganzen Nachmittag braucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann gibt es Znacht. Ich sitze bei einem frischgepressten Orangensaft auf der Terrasse einer Saftdiele und treffe zuf\u00e4llig Nicolas, der in einem anderen, g\u00fcnstigeren Hotel (Absteige) eingecheckt und die selben Pflichten erledigt hat m\u00fcssen (ausser der SIM-Karte, er legt nicht allzu viel Wert auf permanente Verbundenheit). Ich schlage vor, zum Dinner das Restaurant gleich nebenan aufzusuchen. Am Vordach \u00fcber der Terrasse h\u00e4ngt ein halbes Tier, der Haut entledigt, ein Kamel, wie man uns bescheidet. Gleich daneben in einem Karb\u00e4uschen steht einer, nennen wir ihn Metzger, der schneidet ein St\u00fcck Fleisch aus dem Kamel und pr\u00e4sentiert es mir. Von der Gr\u00f6sse her meine ich, dass es meinen Hunger decken wird. Der Metzger wiegt das gute St\u00fcck, schnetzelt es in St\u00fccke und wirft es auf einen Grill. Wir setzen uns an ein Tischchen, Nicolas scheint der Hunger anbetrachts des h\u00e4ngenden Kamelhinterteils vergangen zu sein, bestellen Limonade und warten. Warten nur f\u00fcnf Minuten, schon habe ich das gegrillte Kamel vor mir. Es ist z\u00e4h wie Leder. W\u00e4hrend ich intensiv kaue, f\u00e4llt mir ein Teil einer Zahnf\u00fcllung rechts oben raus. Nicht unschmerzhaft, nicht das Rausfallen, sondern das Daraufbeissen, denn Zahnf\u00fcllungen fallen in der Regel nicht unbemerkt heraus sondern immer zwischen zwei Stockz\u00e4hne w\u00e4hrend des Kauens.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"padding: 5px 0px 0px 30px;\" src=\"https:\/\/www.tripline.net\/map?tripId=0532163574221013A2D6823F4072C5EB&amp;onSite=0\" width=\"260\" height=\"400\" frameborder=\"1\" align=\"right\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Abfahrt aus Wadi Halfa naht. Eine kurze Nacht nach nur 18-st\u00fcndigem Aufenthalt, um vier geht der Bus, ich stehe um halb Vier auf und dusche mangels warmem Wasser kalt. Blanker Horror, daf\u00fcr hellwach. Zum Busbahnhof sind es zu Fuss f\u00fcnf Minuten. Ich bin nicht allein, ein reges Chaos herrscht bereits, ich kaufe mir eine Tassen heissen Tee, setze mich in meinen Bus und warte. Der Bus f\u00e4hrt um Punkt vier Uhr los. Beim Checkpoint an der Stadtgrenze werden F\u00fchrerschein des Fahrers und der Fahrtenschreiber im Bus kontrolliert. Dann drei Stunden Fahrt durch die Dunkelheit. Als die Sonne aufgeht, h\u00e4lt der Bus mitten in der W\u00fcste, Menschen eilen raus und beten im Sand. Ich l\u00f6se Wasser. Zwei Stunden sp\u00e4ter die Gelegenheit zum Fr\u00fchst\u00fcck in einer Rastst\u00e4tte. Die Menschen essen Heissgekochtes (Bohnen und Undefinierbares) mit den Fingern, ich habe keinen Appetitt auf Festes lasse mir einen wunderbaren Kaffee mit Kardamongeschmack geben. Wieder l\u00f6sen M\u00e4nner Wasser hinter der Rastst\u00e4tte, die Frauen verschwinden in halbzerfallenen H\u00fctten. Die Umgebung ist mit leeren, flachgedr\u00fcckten PET-Flaschen aller Art versaut, in den wenigen mageren B\u00fcschen h\u00e4ngen weisse Kunststoffeinkaufst\u00fcten. Und rundherum nur Sand und die pfeilgerade Aspahltpiste mittendurch. Echt krass skurril das Ganze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim n\u00e4chsten Halt gegen Mittag werden zwei Jungen in den Bus gelassen. Sie verkaufen Datteln und Orangen. Die Musik aus der Mediathek meines iPhones beginnt sich zu wiederholen. Noch vier Stunden bis Khartoum. Links Sand, rechts Sand, manchmal eine Skelett eines vor Hitze oder Last oder beidem zusammengebrochenen Esels. Manchmal Schafhirten mit einer Handvoll abgemagerter Schafe (oder Ziegen, wer weiss das schon). Immer wieder Mobilfungantennen. Wunderbar. So weiss ich immer wo wir sind. Vor und nach gr\u00f6sseren Orten Checkpoints der Polizei. Sie interessiert sich vorab f\u00fcr den Fahrer und das Fahrzeug, nicht f\u00fcr uns Passagiere. Es steigen die ganzen zehn Stunden keine ebensolche zu oder aus. Direktkurs Wadi Halfa to Khartoum. Und wo ist eigentlich der Nil? Er schl\u00e4ngelt sich in grossen Bewegungen durch die W\u00fcste, die Strasse f\u00fchrt pfeifengerade nach S\u00fcden. Den Fluss sehe ich erst in der Hauptstadt wieder, gr\u00f6sser und m\u00e4chtiger als in Luxor oder Kairo. Ein sch\u00f6ner Teil seines Wassers wird ihm in \u00c4gypten und im Norden des Sudans zur Bew\u00e4sserung der \u00c4cker an seinen Ufern genommen. In Alexandria, dem Ausgangspunkt meiner Reise, kommt l\u00e4ngst nicht mehr soviel an, wie sich hier in Khartoum, wo sich weisser und blauer Nil vereinen, hindurch dr\u00e4ngen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1924\" aria-describedby=\"caption-attachment-1924\" style=\"width: 3215px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1090183_nile_halfatokhartoum_web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1924 size-full\" src=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1090183_nile_halfatokhartoum_web-e1518616218535.jpg\" alt=\"W\u00fcsten - PET\" width=\"3215\" height=\"1744\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1924\" class=\"wp-caption-text\">Hinter mir der PET-Abfall &#8211; Hinterlassenschaften der Durchreisenden<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einiges zu tun im neuen Land &#8211; Hotelsuche, Registration bei der Polizei, SIM-Karte auftreiben, Kamelfleisch testen, Bus reservieren und duschen mit kaltem Wasser &#8211; Bloss weg aus Wadi Halfa! 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