{"id":1982,"date":"2018-03-07T19:01:24","date_gmt":"2018-03-07T18:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/?p=1982"},"modified":"2018-03-09T15:52:59","modified_gmt":"2018-03-09T14:52:59","slug":"beirut-downtown","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/2018\/03\/07\/beirut-downtown\/","title":{"rendered":"Beirut Downtown"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Beirut&#8217;s Central District ist voller Gegens\u00e4tze &#8211; Nach dem B\u00fcrgerkrieg wurde wiederaufgebaut &#8211; Oder gentrifiziert, wie mans nimmt &#8211; Und das ehemalige \u00abHoliday Inn\u00bb ist noch immer nicht renoviert<\/h2>\n<figure id=\"attachment_1983\" aria-describedby=\"caption-attachment-1983\" style=\"width: 1600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1983\" src=\"http:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web.jpg\" alt=\"Beirut Holiday Inn \" width=\"1600\" height=\"1067\" srcset=\"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web.jpg 1600w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/grippedbag_P1150226_nile_beirut_hotelholidayinn_web-100x67.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1983\" class=\"wp-caption-text\">Nach dem letzten Schuss ist das Hotel Holiday Inn in Beirut immer noch unber\u00fchrt<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist das Erste was ich sehe, als ich am Morgen das Licht der Welt erblicke und zur Zaituna Bay hinunterschlendere: Mitten unter den Edelskysrapern steht ein Hochaus ohne Fenster, daf\u00fcr mit Einschussl\u00f6chern. Rundherum sind alle H\u00e4suser renoviert, ja neu gebaut, gl\u00e4nzen in edlem Glas und weissen Beton. Architektonische Jahrhundertentw\u00fcrfe. Durch den B\u00fcrgerkrieg initiierte Gentrifizierung (*zynisch*). Sie sehen alle teuer aus und sind es wohl auch. Abends sehe ich nur in den wenigsten Fenstern Licht. Hier wohnt niemand, hier hat man Wohnungen, damit man sie hat. Vielleicht um mal ein Wochenend darin zu verbringen. Oder vielleicht auch nur, um zu wissen, dass man ein Wochenende darin verbringen k\u00f6nnte. Vielleicht gibt es aber auch eine ganz einfache Erkl\u00e4rung: Sie sind noch nicht verkauft. Zu teuer, oder es hat zu viele davon, auch m\u00f6glich, sehr gut m\u00f6glich sogar, es hat n\u00e4mlich ziemlich viele dieser Edelh\u00e4user.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur eben dieses eine ist nicht edel. Es besteht nur noch aus Rohbau, es fehlen jegliche Inneinrichtungen, jegliches M\u00f6biliar, die Liftsch\u00e4chte sind leer, die Lobby ebenso, noch nicht einmal die Vert\u00e4ferungen der W\u00e4nde haben die Diebe drangelassen und auch alle elektrischen Leitungen in den Hohldecken sind weg. Kupfer bringt gute Preise auf dem Markt. Doch jetzt gibt es hier nichts mehr zu holen. Vielmehr aber zu bringen. Die ersten drei, vier Meter der Eingangshalle sind voller Schutt, abeglagert von Leuten, die sich die Kehrichtsackgeb\u00fchr sparen wollten. Nat\u00fcrlich besteht ein massiver Zaun um das Haus &#8211; doch der hat etliche Schlupfl\u00f6cher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hotel Holiday Inn wurde 1974 er\u00f6ffnet und 1975 wegen des aufflammenden B\u00fcrgerkriegs im Libanon bereits wieder geschlossen. Exakt durch dieses Quartier &#8211; der \u00abCentral District\u00bb &#8211; verlief die Front der Kriegsparteien zwischen Ost- und West-Beirut, \u00abGreen Line\u00bb genannt. Die Hochh\u00e4user, darunter auch das 26 Stockwerke hohe Holiday Inn wurden bei Kriegsausbruch umgehend von Scharfsch\u00fctzen in Beschlag genommen. Die Sch\u00fctzenstellungen zogen logischerweise den Beschuss der Gegenpartei auf sich. Nicht nur mit scharfen Gewehren, auch mit Granaten und Raketen wurde aufeinander geschossen, aber meistens nur Mauern getroffen. Daher die Einschussl\u00f6cher am Geb\u00e4ude, so gross, dass problemlos ein Erwachsenenkopf durchgehen w\u00fcrde. F\u00fcnf Mal hat es im Hotel gebrannt, f\u00fcnf Mal konnten die Feuer gel\u00f6scht werden. Die Bilder des brennenden Hotels gingen um die Welt und das Holiday Inn wurde zum <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/reise\/staedtereisen\/gallery128251600\/Die-Ruine-des-ehemaligen-Luxushotels-Holiday-Inn.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Symbol des B\u00fcrgerkriegs<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Krieg (ab 1990) wurde der Central District fast komplett neu gebaut. Die Reste der zerbombten und zerschossenen H\u00e4user wurden niedergerissen, die einigermassen intakten H\u00e4user an den R\u00e4ndern der Gr\u00fcnen Linie renoviert. Nur die Wenigsten, die hier vorher gelebt haben, so sie denn den Krieg \u00fcberlebten, konnte ihre Wohungen und H\u00e4user behalten. Sie standen der Gentrifizierung im Weg und wurden kurzerhand enteigent. F\u00fcr ihre Grundst\u00fccke erhielten sie Aktien der neuen Immoblienfirma \u00abSolidere\u00bb (Soci\u00e9t\u00e9 libanaise pour le d\u00e9veloppement et la reconstruction de Beyrouth), die die Baurechte f\u00fcr den ganzen Central District erhielt. Gr\u00fcnder der <a href=\"http:\/\/www.solidere.com\/city-center\/urban-overview\/districts-main-axes\/hotel-district\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Solidere<\/a> und Besitzer war der amtierende Ministerpr\u00e4sident des Libanons, Monsieur Rafiq al-Hariri. So ein Zufall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0 Nur das Holiday Inn sah bis heute weder Handwerker noch Abrissbirne. Es gibt mehrere Besitzer(-Gesellschaften) des Hauses, die Verh\u00e4ltnisse sind kompliziert, man ist sich \u00fcber die Nutzung des Grundst\u00fccks\/des Geb\u00e4udes nicht einig. So steht es also immer noch da wie es vor 28 Jahren von den Scharfsch\u00fctzen verlassen wurde. Nur dass mittlerweile sich die Ratten \u00fcber alles, was irgendwie wiederverwendbar\/verwertbar war, hergemacht haben. Es steht da (siehe Bild) auch als Mahnmal f\u00fcr die Sinnlosigkeit jedes Kriegs. Dumm nur, wenn man sich im Glamourtempel gleich daneben f\u00fcr 2, 3 oder gar 10 Mio $ eine Loft gekauft und nun das Mahnmal grad vor der Aussicht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beirut&#8217;s Central District ist voller Gegens\u00e4tze &#8211; Nach dem B\u00fcrgerkrieg wurde wiederaufgebaut &#8211; Oder gentrifiziert, wie mans nimmt &#8211; Und das ehemalige \u00abHoliday Inn\u00bb ist noch immer nicht renoviert Es ist das Erste was ich sehe, als ich am Morgen das Licht der Welt erblicke und zur Zaituna Bay hinunterschlendere: Mitten unter den Edelskysrapern steht<\/p>\n<div class=\"more-link\">\n             <a href=\"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/2018\/03\/07\/beirut-downtown\/\" class=\"theme-btn\"><span>Weiterlesen <\/span><i class=\"bi bi-arrow-right\"><\/i><\/a>\n        <\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1983,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-1982","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nil"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1982"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1982\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2049,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1982\/revisions\/2049"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.michlmichl.ch\/wordpress_2\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}