menschen #13

Posted by michl on 17/12/2013 in träwel |

eddy, der junge israeli, der eigentlich elad heisst, hat ständig hunger und ist deshalb stets auf der suche nach nahrung. weil die essenszeiten auf der liemba ebensowenig wie die liemba selbst nach einem verlässlichen fahrplan stattfinden, kauft er sich schon mal vom händler, der unten in der 3. klasse sein lädeli aufgeschlagen hat, ein paar bananen. als echter backpacker lässt er uns an seinem frischfruchtapéro teilnehmen. wir, das sind neben mir shira aus los angeles, die ein jahr lang in kigali/ruanda in einem NGO-programm involviert war und sich jetzt nach namibia und südafrika durchschlagen will, und martin, der wissenschaftler aus zürich, der längst pensioniert ist und vor 18 jahren im «mahale mountain national park» ein programm gegen neophyten (ja das gibt’s auch in tansania!) lanciert hat und jährlich hierher reist, um den fortschritt seiner strategie zu verfolgen.

Pineapple-Dealer Said und sein Lager – 400% Gewinn am Ziel

wie der ungeduldige eddy, mit dem ich ausserdem die kabine teile (wozu die dame am ticketschalter in kigoma mein einverständnis stillschweigend vorausgesetzt hat), mal wieder nicht auf den lunch warten kann (und gerade auch kein netz hat, denn wenn da eines wäre, hinge er die ganze zeit mit seinem handy im internet),  wieder mal hinunter steigt auf’s ladedeck, um sich eine ananas reinzuziehen, begleite ich ihn. said, der händler, der ungefähr 250 ananas auf’s schiff gebracht hat, die nun offen gestapelt daliegen und die er deshalb die ganze zeite bewachen muss, erklärt mir seinen simplem business plan (in gebrochenem englisch): «ich kaufe die ananas von den bauern in kigoma für 400 tsh das stück. auf dem markt in mpulungu bringen sie 2’000 tsh!» ein satter gewinn von 400%, abzüglich frachtkosten und ticketpreis, dafür nimmt said drei tage und nächte auf der liemba auf sich, wobei er in mpulungu nicht mehr sein ganzes fuder ausladen muss, den ein guter teil geht schon auf dem schiff weg, zum discountpreis von 1’500 tsh. 1’000 tansanische shilling (tsh) entsprechen rund 55 rappen.

Nicht wirklich erpicht auf Fotos von seiner Küche – überraschter Chefkoch

bei meinen rundgängen mit der vorgehängten kamera (komme mir vor wie ein chinesischer tourist) schlendere ich immer wieder am küchenfenster vorbei. der chefkoch, dessen name ich nicht erfahre, lässt aber keine foto’s zu. warum das so ist, erfahre ich von yussuf, dem 2. offizier. die küche und der service werde von einer catering-firma geführt, sagt yussuf, und die wollen nicht, dass man ihnen in die töpfe sieht. dabei sieht jeder und jede in die töpfe, weil die küche auf dem oberdeck ist und alle türen und fenster wegen der hitze immer offen stehen. doch ich sehe das fotografierverbot ein. hätte ich die verantwortung für diese küche, würde ich auch niemanden reinsehen und schon gar nicht fotografieren lassen. details möchte ich euch ersparen, nur so viel: die schlimmste je von schweizer lebensmittelinspektoren beanstandete schweizer küche ist noch meilenweit hygienischer und funktioneller als diese küche. und trotzdem bleiben wir alle gesund.

Kapitän Titus – was nuschelt er da mit dem unbekannten Passagier?

dann wäre da aber auch noch die wichtigste figur auf der liemba: kapitän titus. er ist der könig auf dem schiff und grüsst selbstverständlich nicht jeden dahergelaufenen europäer. wir beauftragen also yussuf, dem kapitän unsere bitte um eine offizielle begrüssung zu überbringen. wenige augenblicke später steht er da, der titan der liemba, begrüsst uns alle recht freundlich, verschwindet aber sogleich wieder. das war also das captain’s dinner. später erfahren wir, dass titus alle übriggebliebenen 1. und 2. klass-kabinen unter der hand vermietet hat, ebenso die sogenannte vip-kabine, über deren ausstattung ich gerne mehr erfahren würde. doch immerhin weiss ich jetzt, warum das oberdeck, zu dem die drittklasspassagiere keinen zutritt haben, so belebt ist. es sind alles mitfahrende, die einen bruchteil von dem was wir weisse bezahlt haben.

Stolz auf «ihre» Maschinen – Chief Engineer Dorence, 2nd Engineer Said, Motormen Abdul und Jeremiah

vom zuoberst auf dem brückendeck arbeitenden kapitän zu den zuunterst im schiffsbauch werkelnden maschinisten. auch hier sind die hierarchien klar aufgestellt. «chief engineer», «1st engineer», «2nd engineer», «motorman» (wovon es mehrere gibt), «trainee». wir, also eddy und ich, haben die ehre, von chefingenieur dorence persönlich durch den maschinenraum geführt zu werden. stolz zeigt er uns die beiden MAN-dieselmotoren, beide à 625PS, beide zünftig heruntergekommen (die liemba wurde ursprunglich, also vor 100 jahren, mit 2 dampfmaschinen à 250PS ausgerüstet), aber beide noch voll im saft. was man von den drei generatoren nicht sagen kann. der kleinere notstromgenerator ist schon seit längerem «im arsch». einer der beiden grossen ist wie erwähnt in kigoma ausgefallen, offenbar irreparabel, wonach der andere, der bis dahin defekt war, erst mal repariert werden musste. nun fährt die liemba mit nur einem mehr oder weniger funtionsfähigen generator den tanganjikasee rauf und runter.

Said, 22, Deckmatrose, will in neun jahren Kapitän sein

ein zweiter said, der deckmatrose, ist zuständig für das anlegen und ankern. er hat sich hochgearbeitet und darf einen kadetten instruieren. said träumt von einer kapitänskarriere. die weltmeere will er befahren, nicht diesen tümpel tanganjikasee. er kennt seinen karriereplan: ein jahr auf der liemba, drei jahre marinehochschule in dar es salaam, ein jahr als offiziersanwärter auf einem hochseeschiff, dann drei jahre kapitänsschule. «dann wirst du mit 29 jahren kapitän sein», sage ich zu ihm. «ja, ich werde ein kapitän sein. das ist alles was ich will!» eine grundlage hat said schon geschaffen – er spricht ausgezeichnet englisch. ich wünsche diesem jungen, stets fröhlichen mann alles gute.

 

 

 

 

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