About michl

  • Email: email
  • Biography: «Jede Art zu schreiben ist erlaubt – nur die langweilige nicht» François-Marie Arouet alias Voltaire

Posts by michl:

Strom fliesst und Elektriker saufen

Posted by michl on 09/04/2021 in nebi |

ElektrikerInnen sind die einzigen Berufsleute, die mit der Metapher «unter Strom stehen» wirklich etwas anfangen können. Sie wissen aber auch, dass der Strom fliesst und nicht steht. Und hinter allem steht eine tödliche Spannung.

MICHAEL HUG

«Ich stehe unter Strom!» – Das sind nicht die letzten Worte des Elektrikers, der nach dem Znüni wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt und nicht dran dachte, dass er vor dem Znüni den Strom nicht ausgeschaltet hatte. Es gibt nämlich keine letzten Worte eines Stromers, wenn er Nullleiter und Phase (hellblauer/roter Draht) verwechselt hat. Er stand zwar unter Strom, kurz nur, aber ausreichend, doch er sagte nichts mehr, ausser einem Schrei vielleicht, aber sicher keinen vollständigen Satz. Ausserdem brauchte er ja nichts mehr zu sagen, nichts zu erklären, da jeder, der ihn dann findet, sofort erkennt, was geschehen ist – hier stand ein Elektriker unter Strom.

Blöde Sprüche

Ich bin, also war, Elektriker von Beruf, kenne die blöden Sprüche, die Gipser/Bodenleger/Fenstermonteure auf dem Bau von sich geben: «Du hast immer einen Kurzen!», gemeint ist ein Kurzschluss, oder: «Wenn ihr nicht ständig eure Ladung Strom abbekommt, geht gar nichts bei euch», gemeint ist die sprichwörtliche Arbeitsproduktivität des Elektrogewerbes. Unter uns gesagt machte einst in der Stifti auch dieser Reim immer wieder mal die Runde: «Es gibt Motoren, die nicht laufen, aber keine Stromer, die nicht saufen». Insofern verkabelt ein gut geölter Elektrofachmann unbestritten besser, nur leider hat uns die SUVA die Erhöhung der Leitfähigkeit mittels Alkohol auf der Baustelle untersagt. Kein Grund, den Beruf an den Nagel zu hängen und stattdessen Satiretexter zu werden, eigentlich, aber ein Glas oder drei schaden beim kreativen Schreiben tatsächlich auch nicht.

Pendenzen Aufladen

Doch nun zur Sache. «Unter Strom stehen» ist eine Metapher, die wie immer bei Metaphern, aus der Realität stammt (siehe Stromerbeispiel oben). Wenn man unter Strom steht, meint man damit, viel zu tun zu haben (oder sich zuviel Pendenzen aufgeladen zu haben (womit der Bezug zur Elektrizitätslehre gegeben ist: Ladung hat nämlich sehr viel mit Strom zu tun)), zu viele Termine einhalten, zu viele Aufgaben lösen oder lange auf etwas warten zu müssen. Manche Männer (nicht nur Stromer) stehen unter Strom, wenn sie am Feierabend zu spät nach Hause kommen. Manche Spekulanten stehen unter Strom, weil sie aufs falsche Pferd gesetzt haben (noch so eine Metapher). Wobei dies in den Finanzbranche eher selten vorkommt (das mit dem Strom, nicht das mit dem Pferd), da Banker mit fremden Geld spekulieren. In der Tat aber kann der/die BesitzerIn dieses Geldes sehr wohl unter Strom stehen, wenn er/sie erkennt, dass er/sie sein/ihr Erspartes dem falschen Banker anvertraut hat.

Wenn der Föhn geht

Manche Leute stehen unter Strom, wenn der Föhn geht. Wiederum andere, wenn der Flieger/Zug/Uber ohne sie geht. Oder wenn es im Büro auch ohne sie geht (oft eine Erfahrung nach den Ferien). Manche stehen unter Strom, wenn sie nachts um Eins von der Polizei auf den Standstreifen gewunken werden. Manche stehen unter Strom, wenn eine Lieferung nicht oder verspätet eintrifft (Bier/Koks/Ritalin/Heizöl). Manche stehen unter Strom, wenn der Hypozins/die Fallzahlen/die Gegentore rauf- oder der Suezkanal zugeht. Manche stehen erst richtig unter Strom, wenn dem Herzschrittmacher dieser ausgeht. Generell unter Strom stehen unter dem Sternzeichen des Widders Geborene. In den allermeisten Fällen ist eine Folge des unter Strom Stehens, dass es dem/der Betreffenden Schweissperlen auf die Stirn treibt (noch so eine Metapher). Geheimagenten wissen solches tunlichst zu vermeiden. Bond/Bourne/Johnny English sind darauf getrimmt, ihr unter Strom stehen weder äusserlich (Schweiss) noch innerlich (Lügendetektor) zu offenbaren.

Ströme über 50 Milliampère killen

Womit wir bei der Technik angelangt sind. Mittels Lügendedektoren lässt sich erhöhter Strom im menschlichen Körper hervorragend analysieren. Wobei es sich hierbei um ziemlich kleine Ströme handelt. Ströme über 50 Milliampère killen lebende Wesen früher oder später, also sind die im Körper erzeugten Ströme durchwegs kleiner, so klein, dass man sie nicht spürt. Trotzdem ist es aber so, dass jede/r Bewegung/Faustschlag/Gedanke, durch Ströme induziert wird. Eigentlich aber durch elektrische Spannung, richtigerweise, denn es ist die Spannung, die Ströme fliessen lässt, sofern Leitfähigkeit gegeben ist (nun spricht der Elektriker aus mir!). Wunderbar lässt sich das mit einem Viehhütedraht demonstrieren: Der Schlag, der einen trifft (Metapher!), rührt von der Spannungspitze, die zwischen Draht und Wiese erzeugt wird. Das was dann «fitzt», ist der Strom, der durch einen fliesst. Ganz kurz nur, denn sonst wär man oder die Kuh ja hin, was allerdings nie passieren kann, weil der Fitzgenerator nicht so viel und so lang Energie erzeugen kann. So ein fitzender Viehhütedraht soll ja Vieh oder WanderInnen nur erschrecken, nicht umbringen.

Die Strommergattin freuts vielleicht

In diesem Zusammenhang wundert man sich immer wieder, warum Vögel oder GleitschirmfliegerInnen nicht unter Strom stehen, wenn sie sich auf Hochspannungsleitungen setzen oder an solchen hängenbleiben. Das ist leicht zu verstehen: der Hochspannungsleitung, die wie der Name sagt, unter ziemlich hoher Spannung steht, fehlt der zweite Pol, der die Spannung entladen, somit ein Strom fliessen, kann. Wiese/Hausdach/Kran sind zu weit weg, dass der Vogel oder der Gleitschirmflieger den Stromkreislauf schliessen könnte. Es ist wie bei einer Ehe: wenn zwei sich nahe kommen, knistert die Spannung. Wenn sie sich nach zwanzig Jahren nicht mehr nahe kommen und nur noch anschreien, dann knallt es – die Spannung entlädt sich und der Strom der Zerrüttung fliesst. Ungut, wenn dann der eine Partner Elektriker ist und wegen seiner Ehekrise dermassen unter Strom steht, dass er vor dem Znüni vergisst, den Strom auszuschalten. Dann heisst es in der Unfallmeldung an die SUVA: Der Stromer stand unter Strom, weil er unter Strom stand. Bedauerlicherweise hat er diesen Zustand nicht überlebt. Die Gattin freuts. Naja vielleicht.

Erschienen am 1.05.2021 im Nebelspalter

Imago Dei – copy & paste

Posted by michl on 13/03/2021 in nebi |

Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Schön wärs! Gott gab sich alle Mühe, aber an dieser Aufgabe scheiterte er kläglich. Oder behauptet da wirklich jemand, wir seien wie Gott? MICHAEL HUG «Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.» So steht […]

Migränelos durch Kybernetik

Posted by michl on 10/02/2021 in nebi |

Die Kyburg und der Cyborg – Auf den ersten Blick hat der Eine mit der Anderen wenig zu tun. Auf der Kyburg wurden schon im späten Mittelalter Eisenteile in menschliche Körper gepflanzt. Überlebt haben sie es aber leider nicht. MICHAEL HUG Auf Schloss Kyburg (bei Winterthur) steht in einer kalten Dachkammer die eiserne Jungfrau. Natürlich […]

Die dümmsten Kälber beim Metzger

Posted by michl on 10/01/2021 in nebi |

Frankreichs Köche haben bei der Verwertung von Tierbestandteilen so einiges drauf. Sie kochen Sachen, die bei uns verpönt, tabu oder verboten sind. Food Porn à la mode française. Ein Selbsterfahrungsbericht aus der hohen Küche. MICHAEL HUG Krieg und Totschlag, Flugzeugabstürze und Erdbeben. Neuerdings eine Pandemie. Schreckliches kommt auch beim Kochen vor. Was dabei herauskommt, dem […]

Das Streben ist das Ziel

Posted by michl on 17/12/2020 in nebi |

Schwelgen im Luxus – wer wollte das nicht! Doch Luxus ist nicht des zuvielen Geldes letzter Schluss. Wahrer Luxus ist Verzicht. MICHAEL HUG ALEXANDRIA. Männer führen Kriege, Frauen baden im Luxus. Manchmal hängen die beiden Dinge zusammen, manchmal aber auch nicht. Zu Kleopatras Zeiten scheint das so gewesen zu sein. Ihre Liebhaber, zwei Caesaren aus […]

Die ptolemäische Influenzerin

Posted by michl on 31/10/2020 in nebi |

Kleopatra badete in Honig und Milch und influenzt 2000 Jahre später Generationen von schönen und nicht so schönen Menschen. Die Verschönerungsbranche macht Milliardenumsätze mit Schönheitsidealen. MICHAEL HUG Es war einmal eine Königin. Sie war so wunderschön, dass ihr ihr Hofstaat zu Füssen lag. Kleopatra, so hiess die schöne Königin, war so schön, dass ihre Schönheit […]

Prügelnde Knaben und weiche Eier

Posted by michl on 15/10/2020 in nebi |

Männer sind Machos, manchmal Schweine, oft auch beides. Auf der anderen Seite des Männlichkeitsspektrums sind die Prügelknaben und Weicheier. Eine kleine Metaphernkunde. MICHAEL HUG Ist ein Mann, der prügelt, ein Prügelknabe? Ein Mann, der dies nicht tut, ein Weichei? Ein Waschlappen, Warmduscher? Ehrlich und nebenbei gesagt, ich dusche lieber warm und ohne Lappen und Eier […]

Mein Name ist Lampe, Hasenschwanz

Posted by michl on 14/10/2020 in nebi |

MICHAEL HUG Meister Lampe jagt Dr. Fuchs. DER Blockbuster. Hase gegen Fuchs. Ein alter Thriller neu verfilmt. Reineke, der alte Fuchs, macht sich an Meister Lamprecht ran, den jungen Osterhasen mit der höheren Berufsprüfung. Reineke hat mit dem Bilderbuchagenten noch eine alte Rechnung offen. Dieser aber, siebenfach auf Kampfplätzen geschult und unter allerhärtesten Bedingungen in […]

Kaffee aus dem Katzenklo

Posted by michl on 14/10/2020 in nebi |

Der teuerste aller Kaffees kommt aus Osttimor. Ist der Kaffee, der schon mal verdaut wurde, auch der beste? MICHAEL HUG Man weiss: Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Grundsätzlich gibt es guten Kaffee und löslichen Kaffee. Dann gibt es noch den so genannten Kaffee beim Burgerbrater am Kreisel und den im Rössli am Dorfplatz. Der im […]

Meine Expats-Family

Posted by michl on 14/10/2020 in nebi |

MICHAEL HUG EXVATERLAND. Es begann mit meiner Mutter. Sie ist Österreicherin, Niederösterreicherin um genau zu sein (in der Region Wien muss man mit Herkunftsangaben sehr exakt umgehen). Nach dem Krieg, damals so um 1950, kam sie als nicht mehr ganz junge Frau in die Schweiz, als Haushalthilfe zu einem Pfarrer in der Innerschweiz. Sie war […]

Copyright © 2012-2021 michl's All rights reserved.
This site is using the Desk Mess Mirrored theme, v2.2.4.1, from BuyNowShop.com.