hundertjährig #14

Posted by michl on 18/12/2013 in träwel |

die liemba wurde 1913 im auftrag der ostafrikanischen eisenbahn-gesellschaft in papenburg (D) gebaut und auf den namen «goetzen» getauft. (den namen bekam sie von graf goetzen, einem deutschen offizier, der sich als Gouverneur in der deutschen kolonie ostafrika einen zweifelhaften ruhm geschaffen hatte). ihr auftrag war, den waren- und personentransport auf dem tanganjikasee (natürlich nur deutsche waren und deutsche personen!) zu fördern. der see, heute die grenze zwischen tansania und kongo bildend, war damals grenzgebiet zwischen der deutschen kolonie ostafrika un der belgischen kolonie kongo.

Die Liemba im Hafen von Kigoma

1913 wurde der graf in norddeutschland probehalber zu wasser gelassen, dann wieder ins trockene geholt und zerlegt. in 800 kisten auf drei frachtschiffen reiste er via mittelmeer und suezkanal nach dar es salaam. dort wurde sie auf güterzüge der damals sich noch in bau befindlichen mittellandbahn, die quer durch tansania führt (und heute noch in betrieb ist) verladen und nach kigoma gebracht. die ganze reise dauerte rund 5 monate. drei deutsche schiffsbauer und hunderte von einheimischen helfern bauten die liemba wieder zusammen. dafür brauchten sie mehr als ein jahr, im februar 1915 lief die liemba vom stapel.

Blick vom Oberdeck auf den Bug der Liemba

doch zwischenzeitlich brach in europa der 1. weltkrieg aus. das betraf natürlich auch die kolonien der europäer. deutschland sah sich auch in tansania von feinden umgeben: belgien im westen, england im norden (kenia). der zusammenbau der liemba verzögerte sich noch und noch, und mittlerweile hatte die deutsche wehrmacht das kommando über die montage übernommen. obwohl auf dem tanganjikasee in den jahren 1914 bis 1918 auch ein paar kanonenschüsse fielen, geriet die liemba selbst nie unter feuer, weil sie erst fertig wurde, als sich die wenigen, kleineren schiffe der deutschen, belgier und engländer sich gegenseitig versenkt oder fahruntüchtig geschossen hatten. als der druck der engländer auf die kleine deutsche militäreinheit und die deutschen zivilisten in kigoma zu gross wurde, flüchteten sie allesamt ins landesinnere. die liemba wurde im juni 1916, damit sie nicht dem feind in die hände fiele, kurzerhand versenkt.

Blick über’s Oberdeckdach gegen Norden

schon 1918 wurde die liemba von den belgiern wieder gehoben, doch das schiff war nicht fahrtüchtig, so dass es zwei jahre später bei einem sturm wieder absoff. 1924 hoben die briten (die 1921 ostafrika als ihre kolonie übernahmen) die liemba ein zweites mal aus dem wasser, darauf wurde sie instand- und 1927 wieder in betrieb gestellt. bei diesem zweiten stapellauf erhielt sie den namen «liemba» (der kwisuaheli-name für den tanganjikasse). in den folgenden jahren wechselte das schiff mehrere mal den besitzer und wurde dabei immer wieder generalüberholt und renoviert. 1978 wurden die beiden dampfmaschinen aus- und zwei 400-PS-dieselmotoren eingebaut. seit dieser renovierung ist die liemba nun ununterbrochen in betrieb.

Eine Frage der Zeit (Zit. Alex Capus) bis……

die liemba ist 71m lang und 10m breit, leer wiegt sie 800t, voll beladen 1’200t. sie kann 480 personen (kapitän titus sagt 600 personen) aufnehmen und 200 tonnen fracht. mit den beiden MAN-dieselmotoren erreicht sie eine geschwindigkeit von 11kn (ca. 20km/h). dass die hundertjährige dringendst saniert werden müsste, ist dem betreiber MSCL (marine services company limited) in mwanza, der noch 9 weitere schiffe auf dem victoria- und tanganjikasee betreibt, klar. doch die MSCL hat kein geld. deutschland und dänemark würden helfen, streiten sich aber um eine finanzierung. deutschland würde das schiff in eine deutsches museum bringen und der MSCL dafür ein adäquates modernes schiff schenken. der staat tansania als alleinaktionär der MSCL hält sich (vermutlich aus taktischen gründen) (noch) zurück.

 

 

 

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