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ethnological museum of addis abeba

Des Kaisers stilles Örtchen

Dieses wunderschöne himmelblaue Klosett steht im Etnologischen Museum von Addis Abeba. Es steht hier nicht um den Museumsbesuchenden die Fortschritte der Abtrittkultur eines Volkes zu zeigen. Es stand schon da, bevor das Museum zu einem wurde. Auf diesem hochmodernen Abtritt mit Aussicht ins Grüne hat einst ein Kaiser seine Notdurft vollzogen. Das Haus, in dem diese Vorrichtung steht, war der Palast des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie (1892 – 1975). Bis zur Umfunktionierung zum Museum in den Nullerjahren war es der «National Palace». Hier residierte, also wohnte der Kaiser, während er und seine Regierung im «Imperial Palace» unweit davon regierten. Er wurde auch «Jubilee Palace» genannt, weil er zum Jubiläum zu 25 Jahre Regierungszeit des Kaisers errichtet wurde (1955).

Das Gebäude war wahrlich ein Schicksalsort für den so lange so erfolgreich herrschenden Kaiser. Hier wurde seine Majestät 1974 entthront und hier starb er ein Jahr später 83-jährig. Dieses Klosett stammt also aus dem Jahr 1955 und war wohl das modernste WC in ganz Afrika zu dieser Zeit. Ihre Majestät Kaiserin Menen hatte übrigens ihren eigenen Abtritt in etwas einfacherer Bauart(weiss, mit schwarzem Deckel und vorne offener Brille) nur mit Keramikplättli statt Marmor ausgestattet in ihren eigenen Gemächern. Alles im Originalzustand betrachten kann man im Ethnological Museum in Addis Abeba.ethnological museum of addis abeba

Mount Entoto

Der Mount Entoto muss erkämpft werden. 850 Meter Höhendifferenz sind es von Addis bis zum Gipfel. Mit dem Landcruiser natürlich kein Problem. Mühsamer ist der Aufstieg für die Esel und ihre Begleiter#innen, die im Wald auf dem Berg Brennholz zusammenklauen, also -suchen. Irgendwann wird es hier keinen Wald mehr geben, wenn die Plünderei weitergeht. Offensichtlich gibt es hier keine Förster, offensichtlich gehört der Wald niemandem, offensichtlich wird in der Stadt am Fuss des Berges immer noch mit Holz nicht geheizt, aber gekocht (siehe auch «Coffee Ceremony») .

Der Mount Entoto (Amha: እንጦጦ) ist auch ein historischer, religöser und wissenschaftlicher Hot Spot. Auf dem fast höchsten Punkt auf seiner Südflanke steht die «Entoto Maryam Church», die wie jede Kirche in Äthiopien achteckig und leider heute gerade geschlossen ist. Etwas abgesetzt von der Church steht das ehemalige Ferienhäuschen Menelik II, Kaiser von Äthiopien von 1889 bis 1913. Die «Palace of Menelik II» genannte Gebäudegruppe wurde nach Meneliks Tod zum Alterswohnsitz seiner Frau. Heute ist es ein Museum, allerdings gibt es nicht allzuviel zu sehen, was auf die früheren Bewohner hinweist. Aber es wird ein Eintritt verlangt und ein (ev. freiwilliger) Torwächter schaut zum Rechten (und hält auch schon artig die Rechte hin wenn man geht).

Menelik II war der zweitletzte Kaiser von Äthiopien. Seine Frau Taytu Betul gilt als Gründerin der Stadt Addis Abeba im Jahr 1886. Später erhob der Kaiser Addis zur Hauptstadt Äthiopiens. Auf dem Mount Entoto liessen die beiden die Entoto Maryam Church bauen und unweit davon ihr Maiensäss. Von hier hatten die beiden einen prächtigen Blick auf die Stadt, den sie sich verbauten, indem sie in der ganzen Umgebung aus Australien importierte Eukalyptusbäume pflanzen liessen. Exakt der Baum, der vor dem «Palast» steht, wird heute immer noch als der allererste Eukalyptisbaum Afrikas betrachtet. 130 Jahre alt soll er sein.  Mittlerweile haben sich die Bäume derart vermehrt, dass sie den ganzen Berg mit einem Wald bedecken. Unterdessen wurde eine Stiftung gegründet, die den ganzen Berg in ein Naturreservat umwandeln will. Dann wärs dann vorbei mit Holz sammeln für den Kaffee.

Im Jahr 2015 baute die «Ethiopian Space Science Society» ein Observatorium mit zwei 1-Meter-Teleskopen auf dem Mount Entoto.

merkato

Ketema Market

Jede Stadt hat ihren Markt. Auch Addis Abeba. Der grösste der Stadt ist der arabische Markt im Stadtteil Ketema. Sein Name hat sich gehalten, obwohl hier längst nicht mehr die arabischen Händler ihr Waren anbieten. Gehalten hat sich, vorab bei den ausländischen Reise- und Tourveranstaltern, auch sein zweiter Name «Merkato». Das hat mit den italienischen Besatzern zu tun.

Italien hat es nie fertig gebracht, Äthiopien als Kolonie vollständig zu vereinnahmen. 1936 bis 1941 schafften es die Faschisten unter Mossulini dennoch, Abessinien, welches nur ein Teil Ätiopiens ist, zu besetzen/annektieren und es als «Kolonie» zu deklarieren (zusammen mit ihrer Kolonie Eritrea/Somaliland). Die in dieser Zeit ins Land gekommenen italienischen Händler installierten für ihr Klientel einen neuen Markt, ebendiesen Merkato, im gleichen Quartier. Der arabische Markt wurde zurück-, aber nicht verdrängt.

Heute ist der grösste Markt der Stadt weder ein speziell arabischer noch ein italienischer, sondern ein Markt, wie er in jeder afrikanischen Stadt vorkommt. Manche sagen, es sei der grösste von Afrika, was wohl damit zu tun hat, dass man nicht weiss, wo er anfängt und wo er aufhört. Der arabische Markt Addis Abebas ist im Grunde kein Markt, sondern ein Einkaufsviertel. Er ist auch ein riesiges Brockenhaus, eine Recyclingstation, ein Second-Hand-Center und ein Bau- und/oder Schwarzmarkt.

Man bekommt hier fast alles, wenn man nur lange genug sucht, allerdings gibt es auf die Produkte nicht unbedingt eine Garantie und man sollte auch nicht fragen, woher die Produkte, vor allem die, auf denen bekannte Labels stehen, stammen. Das Angebot auf diesem Markt beweist, dass sich aus allem noch irgendwas rausschlagen lässt, und sei es ein Stück Blech oder ein gebrauchter Kanister. Das Suchen nach einem bestimmten Gegenstand wird einem übrigens dadurch erleichtert, dass die Produkte in «Produktequartieren» angeboten werden.merkato

Wenn man also einen Kanister braucht, fragt man am Eingang nach Kanistern. Irgendwer wird sich finden, der es weiss und einem erklärt: «Du gehst hinunter bis zu den Kabeln, dann rechts bis zum Reis, geradeaus bis zu den Plastikkesseln und gegenüber siehst du dann die Kanister.» Ein schlauer Athiopier aber, und das sind die meisten, wird es Dir nicht erklären, sondern dir sagen: «Das ist sehr schwierig, ich führe dich hin!» Das ist recht bequem, ausserdem erklärt dieser selbsternannte Führer dann so einiges zum Markt, er beschafft dir auch Wasser oder Bier, falls du nach einer halben Stunde schier verdurstet. Am Schluss hält er die Hand hin und sagt seinen Preis. Spätestens jetzt bereust du es, dass du den Preis nicht vorher abgemacht hast. Was dir bleibt, ist das Grinsen des schlauen Äthiopiers und eine eindrucksvolle Erfahrung.

Chinas Himmel in Addis

Ihre Hauptstadt nennen die Hauptstädter nur «Addis». Man muss sich das etwa so vorstellen: Eine Stadt mit rund 3.5 Mio Einwohnenden steht auf dem Säntisgipfel. Addis liegt, oder steht auf 2355 Metern über Meer. In etwa da wo am Säntis die berühme «Stütze 2» steht. Unter den dreieinhalb Millionen Einwohner*innen sind auch ein paar zigtausend Chinesen. Sie bauen Wolkenkratzer wie diesen (siehe Bild) und noch ein paar andere mehr, die Eisenbahn nach Djibouti, die Hoch-Trambahn und noch das eine und andere Projekt mehr.

Chinesen sind auf den Strassen keine zu sehen. Sie arbeiten oder sind zuhause. Zuhause sind sie in Barackenanlagen ohen soziale Kontakte nach aussen. Nicht das sie eingesperrt wären, sie suchen nur einfach den Kontakt zu den Einheimischen nicht. Die chinesischen Bauarbeiter können kein Englisch und Amharisch, die Amts- und meistgesprochene Sprache, erst recht nicht. Die Äthiopier*innen können nicht Chinesisch und Englisch sprechen auch nicht viele.

Äthiopien ist mit bisher 14,3 Mia US$ der zweitgrösste Empfänger chinesischer Kredite in Afrika. Ja die Seidenstrasse, die «Belt-and-Road-Initiative» ist auch in Äthiopien angekommen. China leiht aber nicht nur Geld, sondern baut auch gleich selber (womit es nicht mal Geld, bzw Devisen in die Hände nehmen muss). Bis die Einheimischen die neuen Projekte selber betreiben können, steht China mit Personal zur Seite. Hinter fast jedem Mitarbeitenden der «Ethiopia-Djibouti-Railway» steht ein*e Chines*in. Auch nach 18 Monaten nach der Inbetriebnahme.

Ausserdem kennt China, bzw. die chinesischen Arbeiter*innen, keine hindernden Arbeitsgesetze. Es wird Tag und Nacht geschuftet mit unglaublich viel Personal. Da steht keine*r rum und raucht eine Zigarette. Oder genehmigt sich ein Dosenbier. Nach der Arbeit gibts kein Halligalli in den Bars und Spelunken von Downtown Addis.

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scyscraper addis abeba

Coffee Ceremony

In Äthiopien sagt man, man habe den Kaffee erfunden. Kaffeebohnen wachsen hier wie Unkraut wild und ungehemmt, mitunter auch im eigenen Garten (siehe Stauden im Hintegrund auf dem Bild). Und dann sagen die ÄthiopierInnen, sie hätten den besten Kaffee der Welt. Das kann ich nur bestätigen. Vor allem, wenn man Kaffee so geniessen kann, wie man es hier tut, mit einer regelerechten Zeremonie, der «coffee ceremony». Gelegenheiten, Kaffeezeremonien beizuwohnen, gibt es an jeder Ecke, in jedem Restaurant, Hotel oder auf dem Trottoir.

Zur Kaffeezeremonie gehört zuerst einmal Gras. Das kauft man sich auf dem Markt jeden Morgen frisch. Dann verteilt man das Gras auf dem Boden. Natürlich nicht im Wohnzimmer, sondern draussen. Weil es aber in diesem Land enad nie regnet, spielt sich das Leben ohnehin mehr draussen ab als drinnen. Ersatzweise geht auch ein Grasteppich aus Kunststoff (das Gras ist für Nichtbauern nicht gerade billig). Dann nimmt man eine Handvoll trockener Kaffeebohnen und röstet sie in einer Pfanne über Holzkohle. Dann zündet man etwas Weihrauchharz an und lässt es duften.

Wenn man, bzw. frau (die coffee ceremony zu zelebrieren ist den Frauen vorbehalten) das Gefühl hat, die Bohnen sind jetzt genug geröstet, zerstösst man sie in einem Mörser. Ersatzweise tuts auch eine handische oder elektrische Kaffeemühle. Gleichzeitig setzt man eine Kanne Wasser auf die noch glühende Holzkohle. Wenn das Wasser dampft, leert man das Bohnenpulver in die Kanne, lässt es ein paar Minuten ziehen und giesst den fertigen gebrühten Kaffee ohne den Satz in kleine Tassen. Nun kann man den Kafi geniessen, mit oder ohne Zucker. Wunderbar. Den besten Kaffee den ich je getrunken habe und billig, ca 10 Rp. auf der Strasse. Ganz gratis ist er bei meinen neuen Verwandten Walelign und Amelewerk Kidus.